Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats. Unbehandelt baut sie den Knochen um die Zähne ab, die Zähne lockern sich und können verloren gehen. Weil sie lange keine Schmerzen macht, wird sie oft spät bemerkt. Früh erkannt, lässt sie sich gut behandeln und zum Stillstand bringen.
Woran Sie Parodontitis erkennen
Achten Sie auf Zahnfleischbluten beim Putzen, gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, Mundgeruch, der nicht verschwindet, zurückgehendes Zahnfleisch und länger wirkende Zähne sowie auf Zähne, die locker werden oder wandern.
Ob eine Parodontitis vorliegt, klären wir mit der Parodontalen Grunduntersuchung (PGU): Mit einer feinen Sonde messen wir die Tiefe der Zahnfleischtaschen. Das dauert nur wenige Minuten und tut nicht weh.
Warum die Behandlung wichtig ist
Parodontitis betrifft nicht nur den Mund. Bei Diabetes beeinflussen sich beide Erkrankungen gegenseitig. Ein Cochrane-Review zeigt, dass eine Parodontitisbehandlung bei Menschen mit Diabetes den Langzeitblutzucker HbA1c nach drei bis vier Monaten um durchschnittlich 0,43 Prozentpunkte senkt (Simpson et al. 2022).
Rauchen erhöht das Risiko für Parodontitis und verschlechtert die Heilung. Ein Rauchstopp verbessert die Ergebnisse der Behandlung. Auch vor einem Implantat sollte eine bestehende Parodontitis behandelt sein, denn entzündetes Zahnfleisch gefährdet auch den Knochen rund um das Implantat.
So läuft die Behandlung ab
Die Behandlung folgt der S3-Leitlinie der European Federation of Periodontology (EFP) und baut in vier Stufen aufeinander auf (Sanz et al. 2020).
- Stufe 1: Vorbehandlung
Aufklärung, Anleitung zur Mundpflege zu Hause, professionelle Reinigung oberhalb des Zahnfleischs und der Blick auf Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes. - Stufe 2: Reinigung der Zahnfleischtaschen
Unter örtlicher Betäubung entfernen wir Beläge und Zahnstein unterhalb des Zahnfleischs von den Wurzeloberflächen. In ausgewählten Fällen kann ergänzend ein Antibiotikum sinnvoll sein. - Neubefund nach einigen Wochen
Wir messen die Zahnfleischtaschen erneut und sehen, wie das Gewebe ausgeheilt ist. - Stufe 3: Behandlung verbliebener Taschen
Bleiben tiefe Taschen bestehen, folgt eine erneute gezielte Reinigung oder ein chirurgisches Verfahren. - Stufe 4: Nachsorge
Regelmäßige unterstützende Parodontitistherapie (UPT), je nach Risiko alle drei bis zwölf Monate. Ohne Nachsorge kommt die Entzündung häufig zurück.
Bei Vorbehandlung und Nachsorge betreuen Sie unsere diplomierten Prophylaxeassistentinnen. Alle unsere Assistentinnen haben diese Zusatzausbildung abgeschlossen und bilden sich laufend weiter. So erhalten Sie in jeder Phase eine fundierte Beratung und Behandlung, abgestimmt mit den Zahnärzten.
Was zahlt die Kasse?
Die Parodontitisbehandlung ist eine Privatleistung. Vor Beginn erhalten Sie einen Kostenvoranschlag. Mehrere Kassen leisten einen Zuschuss:
| Kasse | Zuschuss |
|---|---|
| ÖGK | Parodontale Initialtherapie bei PGU-Grad 3 oder 4, nur mit Bewilligung vor Behandlungsbeginn: 64,90 € (bis 5 Zähne), 129,70 € (ab 6 Zähnen), 194,50 € (ab 11 Zähnen) |
| SVS | 60 € pro Behandlung, bis zu zweimal pro Kalenderjahr |
| KFA | bis zu 259 € |
Sie zahlen die Rechnung bei uns und reichen sie bei Ihrer Kasse ein. Bei der ÖGK beraten wir Sie zur Bewilligung, die vor Behandlungsbeginn vorliegen muss.
Stand November 2026. Maßgeblich sind die aktuellen Bestimmungen Ihrer Kasse.
Häufige Fragen
Ist Parodontitis heilbar?
Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Mit Behandlung und regelmäßiger Nachsorge lässt sie sich in vielen Fällen dauerhaft stabilisieren. Verlorener Knochen wächst in der Regel nicht von selbst nach, deshalb lohnt sich eine frühe Behandlung.
Tut die Behandlung weh?
Die Reinigung der Zahnfleischtaschen erfolgt unter örtlicher Betäubung. Danach kann das Zahnfleisch einige Tage empfindlich sein.
Wie oft muss ich zur Nachsorge?
Je nach Risiko alle drei bis zwölf Monate. Den Abstand legen wir nach dem Neubefund gemeinsam fest.
Was ist der Unterschied zur Mundhygiene?
Die professionelle Mundhygiene reinigt oberhalb des Zahnfleischs und beugt vor. Bei Parodontitis reinigen wir zusätzlich die Zahnfleischtaschen bis zur Wurzeloberfläche.
Quellen: Sanz M et al., Treatment of stage I–III periodontitis – The EFP S3 level clinical practice guideline, J Clin Periodontol 2020; Simpson TC et al., Treatment of periodontitis for glycaemic control in people with diabetes mellitus, Cochrane Database Syst Rev 2022; Satzungen von ÖGK und SVS.
