Nach dem Entfernen von Karies verschließt eine Füllung den Zahn wieder dicht. Seit dem EU-weiten Amalgamverbot stellt sich bei jeder Füllung im Seitenzahnbereich die Frage nach dem Material. Hier lesen Sie, welche Materialien es gibt, was die Studienlage zu ihnen sagt und was Ihre Kasse übernimmt.
Warum es kein Amalgam mehr gibt
Seit 1. Jänner 2025 darf Amalgam in der EU grundsätzlich nicht mehr für Zahnfüllungen verwendet werden (Verordnung (EU) 2024/1849). Der Grund ist vor allem der Umweltschutz, denn Amalgam enthält Quecksilber. Intakte Amalgamfüllungen müssen nicht ausgetauscht werden. Wir ersetzen sie, wenn sie undicht oder gebrochen sind oder darunter Karies entsteht.
Über Jahrzehnte war Amalgam das Standardmaterial im Seitenzahnbereich, auch für große, mehrflächige Füllungen auf der Kaufläche und zwischen den Zähnen. Es ist druckstabil und hält viele Jahre. Genau für diese Füllungen braucht es heute einen gleichwertigen Ersatz.
Komposit: das Mittel der Wahl
Komposit ist ein zahnfarbener Kunststoff mit einem hohen Anteil feiner Glas- und Keramikteilchen. Er wird mit einem Haftvermittler fest mit dem Zahn verklebt. Deshalb entfernen wir nur die Karies und müssen keine gesunde Zahnsubstanz zusätzlich abtragen, um die Füllung mechanisch zu verankern, wie es bei Amalgam nötig war. Die Klebung stützt außerdem den geschwächten Zahn.
Die Studienlage ist gut. Eine Metaanalyse mit über 2.800 Seitenzahnfüllungen aus zwölf Langzeitstudien ergab jährliche Ausfallraten von 1,8 % nach fünf Jahren und 2,4 % nach zehn Jahren. Ein höheres Risiko hatten Menschen mit hohem Kariesrisiko und Füllungen über mehrere Zahnflächen (Opdam et al. 2014). Komposit eignet sich damit für die Situationen, in denen früher Amalgam verwendet wurde: für kleine und große Füllungen auf der Kaufläche und zwischen den Zähnen.
Eine Kompositfüllung braucht Sorgfalt: Der Zahn muss während der Behandlung trocken bleiben, das Material wird in Schichten eingebracht und jeweils mit Licht gehärtet. Im Frontzahnbereich ist Komposit Kassenleistung, im Seitenzahnbereich eine Privatleistung. Vor der Behandlung erhalten Sie einen Kostenvoranschlag. Die Honorarnote können Sie bei Ihrer Kasse zur Rückerstattung einreichen, die Höhe legt die Kasse fest.
Steinzement: Kassenleistung, aber keine dauerhafte Lösung
Für Versicherte der ÖGK und SVS ist im Seitenzahnbereich derzeit nur Steinzement (Phosphatzement) als Kassenleistung vorgesehen, weil sich diese Kassen und die Zahnärztekammer bisher nicht auf einen Amalgamersatz geeinigt haben. Steinzement wurde nicht als dauerhaftes Füllungsmaterial entwickelt. Er dient in der Zahnmedizin zum Einsetzen von Kronen, als Unterfüllung und als vorübergehender Verschluss eines Zahns.
Die Gründe liegen im Material. Steinzement haftet nicht am Zahn und hat eine geringe Biegefestigkeit, unter Kaubelastung kann er brechen oder abbröckeln. Im feuchten Mundmilieu löst er sich mit der Zeit auf. Am Rand entstehen Spalten, in denen sich Bakterien ansiedeln und neue Karies entstehen kann. Die Österreichische Zahnärztekammer beschreibt Steinzement in ihrem Aufklärungsbogen als erprobt, aber „auf Sicht nicht dauerhaft haltbar“.
Wofür Steinzement nicht geeignet ist: als dauerhafte Füllung auf der Kaufläche und zwischen den Backenzähnen, also genau dort, wo bisher Amalgam verwendet wurde. Diese Füllungen müssen beim Kauen viel Druck aushalten. Sinnvoll ist Steinzement als Übergangslösung, zum Beispiel bis zu einer geplanten Versorgung. Wer sich für eine Steinzementfüllung entscheidet, muss damit rechnen, dass sie früher erneuert werden muss, und jede Neuversorgung kostet wieder etwas Zahnsubstanz.
Glasionomerzement und Alkasit
Glasionomerzement verbindet sich chemisch mit dem Zahn und gibt Fluorid ab. Er eignet sich für Milchzähne, kleine Füllungen, Defekte am Zahnhals, bei hohem Kariesrisiko und als Übergangsfüllung. Bei kleineren Defekten kann er eine dauerhafte Lösung sein. Für große, mehrflächige Füllungen an bleibenden Backenzähnen ist er weniger belastbar als Komposit: Eine systematische Übersichtsarbeit sieht hochviskose Glasionomerzemente als Amalgamersatz bei einflächigen Füllungen bleibender Backenzähne und bei mehrflächigen Füllungen von Milchzähnen (Br Dent J 2021).
Für Versicherte von ÖGK und SVS ist Glasionomerzement bei Kindern bis 15 Jahre, Schwangeren und stillenden Müttern Kassenleistung, für alle anderen eine Privatleistung.
Alkasit ist ein neueres, zahnfarbenes Füllungsmaterial, das Eigenschaften von Glasionomerzement und Komposit verbindet und ohne aufwendige Klebetechnik verarbeitet werden kann. Daten über viele Jahre gibt es dazu noch wenige. Bei der BVAEB sind seit 2025 Glasionomerzement und Alkasit im Seitenzahnbereich Kassenleistung; welches der beiden Materialien passt, entscheidet der Zahnarzt.
Inlays bei großen Defekten
Ist ein Zahn stark zerstört, kann ein Inlay aus Keramik sinnvoll sein. Es wird außerhalb des Mundes passgenau gefertigt und mit dem Zahn verklebt. Inlays sind eine Privatleistung. Die SVS leistet je nach Größe einen Zuschuss von 19,36 € bis 44,97 €. ÖGK und BVAEB zahlen höhere Zuschüsse nur, wenn Kassenmaterialien aus zwingenden medizinischen Gründen nicht verwendet werden können, etwa bei einer nachgewiesenen Allergie.
Kariesinfiltration: Karies stoppen ohne Bohren
Karies zwischen den Zähnen beginnt mit einer Entkalkung im Zahnschmelz. Solange die Oberfläche noch geschlossen ist und kein Loch entstanden ist, lässt sich dieses Frühstadium in vielen Fällen ohne Bohren und ohne Spritze behandeln: mit der Kariesinfiltration (Icon proximal).
So funktioniert es: Wir drücken die Zähne mit einem kleinen Keil minimal auseinander, bereiten die entkalkte Stelle mit einem Gel vor und trocknen sie. Dann dringt ein sehr dünnflüssiger Kunststoff in die porösen Bereiche des Schmelzes ein und wird mit Licht gehärtet. Die Poren sind danach verschlossen, Säuren können nicht mehr eindringen und die Karies kommt zum Stillstand. Gesunde Zahnsubstanz bleibt erhalten.
Was die Studien zeigen: In einem Cochrane-Review senkten mikroinvasive Verfahren das Risiko, dass Karies zwischen den Zähnen fortschreitet, deutlich im Vergleich zu Fluoridlack oder Mundhygieneberatung allein (Odds Ratio 0,24, für die Infiltration allein 0,15). Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wurde als mittel eingestuft (Dorri et al. 2015).
Geeignet ist die Methode für Karies ohne Loch, die im Röntgenbild nicht tiefer als bis ins äußere Drittel des Zahnbeins reicht. Solche frühen Stellen erkennen wir im Röntgenbild, zusätzlich markiert eine KI-gestützte Software Auffälligkeiten. Die Diagnose stellt der Zahnarzt. Die behandelte Stelle kontrollieren wir in regelmäßigen Abständen im Röntgenbild. Die Kariesinfiltration ist eine Privatleistung.
Was zahlt die Kasse?
| Kasse | Füllungen im Seitenzahnbereich auf Kasse |
|---|---|
| ÖGK | Steinzement; Glasionomerzement nur für Kinder bis 15 Jahre, Schwangere und stillende Mütter |
| SVS | Steinzement; Glasionomerzement nur für Kinder bis 15 Jahre, Schwangere und stillende Mütter |
| BVAEB | Glasionomerzement oder Alkasit |
| KFA | Amalgamersatzfüllung (Einigung mit der Zahnärztekammer seit April 2025) |
Komposit ist im Seitenzahnbereich bei allen Kassen eine Privatleistung, im Frontzahnbereich Kassenleistung. Welche Füllung für Ihren Zahn passt, besprechen wir vor der Behandlung mit Ihnen.
Stand November 2026. Maßgeblich sind die aktuellen Bestimmungen Ihrer Kasse.
Häufige Fragen
Muss ich meine Amalgamfüllungen austauschen lassen?
Nein. Intakte Amalgamfüllungen können bleiben. Ein Austausch ist sinnvoll, wenn eine Füllung undicht oder gebrochen ist oder darunter Karies entsteht.
Wie lange hält eine Kompositfüllung?
Das hängt von der Größe der Füllung, Ihrem Kariesrisiko, der Mundhygiene und davon ab, ob Sie knirschen. In der genannten Metaanalyse waren nach zehn Jahren knapp vier von fünf Seitenzahnfüllungen noch intakt.
Kann ich eine Steinzementfüllung später ersetzen lassen?
Ja. Eine Steinzementfüllung kann jederzeit durch eine Kompositfüllung ersetzt werden.
Tut eine Kariesinfiltration weh?
Nein. Es wird nicht gebohrt, eine Betäubung ist in der Regel nicht nötig.
Welche Füllung ist für mein Kind richtig?
Bei Milchzähnen ist Glasionomerzement häufig eine gute Wahl, bei bleibenden Zähnen Komposit. Für Kinder bis 15 Jahre ist Glasionomerzement Kassenleistung.
Quellen: Verordnung (EU) 2024/1849; Opdam NJM et al., Longevity of posterior composite restorations: a systematic review and meta-analysis, J Dent Res 2014; Österreichische Zahnärztekammer, Aufklärungsbogen zum Amalgamverbot; Survival estimates of atraumatic restorative treatment versus traditional restorative treatment: a systematic review with meta-analyses, Br Dent J 2021; Dorri M et al., Micro-invasive interventions for managing proximal dental decay in primary and permanent teeth, Cochrane Database Syst Rev 2015; Satzungen von ÖGK, SVS und BVAEB.
